Bitcoin Kreditkarte
Anbieter, Unterschiede und was Du wirklich wissen solltest
Wer nach einer Bitcoin Kreditkarte sucht, möchte seine Bitcoin im Alltag ausgeben – beim Einkaufen, im Restaurant oder online. Streng genommen handelt es sich dabei jedoch fast immer um eine Bitcoin Debitkarte. Eine echte Kreditkarte mit klassischem Kreditrahmen ist im Kryptobereich selten. Stattdessen werden Bitcoin beim Bezahlen verkauft oder als Sicherheit hinterlegt.
Trotzdem hat sich im deutschsprachigen Raum der Begriff Bitcoin Kreditkarte etabliert. In diesem Artikel erfährst Du:
- wie eine Bitcoin Kreditkarte technisch funktioniert
- welche Anbieter es in Europa gibt
- worin sich die Modelle unterscheiden
- welche Gebühren, Spreads und Cashback-Programme existieren
- und welche steuerlichen Aspekte in Deutschland, Österreich und der Schweiz relevant sind
Was ist eine Bitcoin Kreditkarte?
Eine Bitcoin Kreditkarte ist in der Praxis eine Debit- oder Prepaidkarte, die mit einem Krypto-Konto verbunden ist. Beim Bezahlen erhält der Händler Euro – im Hintergrund wird Bitcoin konvertiert oder als Sicherheit genutzt.
Das bedeutet:
Du zahlst überall dort mit Bitcoin, wo Visa oder Mastercard akzeptiert wird – also bei Millionen von Händlern weltweit.
Gerade weil noch nicht viele Geschäfte direkt Bitcoin oder Lightning akzeptieren, haben sich Bitcoin Debitkarten als praktische Brückenlösung etabliert.
Warum sind Bitcoin Kreditkarten so beliebt?
Ein zentraler Grund für den Erfolg liegt bei langjährigen Bitcoin-Besitzern.
Viele Halter haben ihre Bitcoin seit mehreren Jahren im Portfolio. Sie möchten ihre Coins nutzen, ohne:
- sie aktiv auf einer Börse zu verkaufen
- eine Banküberweisung abzuwarten
- oder ihr gesamtes Portfolio in Fiat umzuschichten
Mit einer Bitcoin Kreditkarte kannst Du Deine Bitcoin direkt im Alltag einsetzen – ohne vorher manuell in Euro tauschen zu müssen.
Zwar erhält der Händler keine Bitcoin, sondern Euro. Das widerspricht dem Ideal einer geschlossenen Bitcoin-Ökonomie. Dennoch bietet die Karte eine komfortable Möglichkeit, Bitcoin-Vermögen real zu nutzen.
Bitcoin Debitkarten sind damit keine Lösung für eine reine Bitcoin-Kreislaufwirtschaft – sondern eine Brücke in das bestehende Visa- und Mastercard-System.
Bitcoin Kreditkarte
Anbieter, Unterschiede und was Du wirklich wissen solltest
Wie funktioniert eine Bitcoin Kreditkarte technisch?
In Europa haben sich drei Modelle etabliert.
1. Verkauf beim Bezahlen („Sell on Spend“)
Das ist das häufigste Modell.
Deine Bitcoin bleiben auf dem Konto des Anbieters.
Erst im Moment der Zahlung wird der benötigte Betrag in Euro umgerechnet und verkauft.
Du bleibst also bis zum Zahlungszeitpunkt Bitcoin-exponiert.
Typische Anbieter mit diesem Modell:
- Bitpanda Card (Visa)
- Coinbase Card (Visa)
- Crypto.com Visa
- Kraken Card (Mastercard)
- Bringin Bitcoin Debit Card (Visa)
- Wave.card (Visa)
Gerade Wave.card und Bringin positioniert sich stark als Bitcoin-fokussierte Lösung. Der Ansatz ist klar auf Bitcoin ausgerichtet und nicht auf ein breites Multi-Asset-Angebot.
Wichtig:
Jede Zahlung stellt technisch eine Veräußerung dar.
2. Umwandlung beim Aufladen („Pre-Conversion“)
Hier werden Bitcoin bereits beim Aufladen der Karte verkauft.
Die Karte enthält anschließend ein Euro-Guthaben. Beim Bezahlen findet keine weitere Krypto-Transaktion statt.
Dieses Modell findet sich teilweise bei Anbietern wie Crypto.com oder Wirex, wenn Nutzer vorab in Fiat konvertieren.
Vorteil:
-
Kein Kursrisiko nach dem Top-Up
Nachteil:
- Bitcoin-Exposure endet bereits bei der Einzahlung
3. Bitcoin als Collateral für eine Kreditlinie
Ein Sondermodell bietet die Nexo Card.
Hier werden Bitcoin als Sicherheit hinterlegt. Du erhältst eine Kreditlinie in Fiat, ohne dass Bitcoin sofort verkauft werden.
Erst bei einem zu hohen Beleihungsgrad erfolgt eine Liquidation.
Vorteil:
- Kein unmittelbarer Verkauf
Nachteil:
- Liquidation bei stark fallenden Kursen
Gebühren, Spread und versteckte Kosten
Bei der Wahl der richtigen Bitcoin Kreditkarte spielen Gebühren eine entscheidende Rolle.
Typische Kosten:
- Conversion-Fee (0,5 % – 2,5 %)
- Spread auf den Bitcoin-Kurs (0,5 % – 1,5 %)
- Fremdwährungsgebühr bei Nicht-Euro-Zahlungen
- Kartenausgabegebühr für physische Karten
- ATM-Gebühren nach Freigrenze
Es gibt keinen offiziellen Bitcoin-Referenzkurs. Jeder Anbieter nutzt eigene Liquiditätsquellen oder interne Exchange-Preise.
Wave.card wirbt beispielsweise mit einer klar kommunizierten Conversion-Fee von rund 1 %. Andere Anbieter integrieren ihre Marge stärker in den Wechselkurs.
Cashback bei Bitcoin Kreditkarten
Viele Anbieter locken mit Cashback oder Kickback-Modellen.
- Crypto.com: Cashback abhängig vom CRO-Staking
- Bitpanda: Cashback über BEST-Level
- Nexo: Cashback in BTC oder Token
- Coinbase: Zeitweise wechselnde Rewards
- Wave.card: Fokus eher auf niedrige Gebühren statt Token-Modelle
Wichtig: Cashback wird über Interchange-Gebühren, Spread oder Token-Ökonomie finanziert.
Hohe Rückvergütung bedeutet nicht automatisch günstige Gesamtkosten.
Steuerliche Behandlung, DAC8, Travel Rule und Transparenz
Deutschland
In Deutschland sind Bitcoin nach einer Haltedauer von über einem Jahr steuerfrei.
Das bedeutet:
Langjährige Halter können ihre Bitcoin grundsätzlich steuerfrei veräußern – auch über eine Bitcoin Kreditkarte.
Wichtig bleibt jedoch: Jede Kartenzahlung ist technisch eine Veräußerung. Transaktionen sollten dokumentiert werden, insbesondere wenn Teile des Bestands unterhalb der einjährigen Frist liegen.
Gerade diese steuerliche Regelung erklärt die hohe Nachfrage nach Bitcoin Kreditkarten in Deutschland.
Österreich
In Österreich unterliegen Kryptowährungen grundsätzlich der Kapitalertragsteuer, unabhängig von der Haltedauer. Auch Kartenzahlungen gelten als steuerpflichtige Vorgänge.
Schweiz
In der Schweiz sind private Kapitalgewinne in der Regel steuerfrei, sofern kein gewerbsmäßiger Handel vorliegt. Bitcoin gelten als Vermögenswert und unterliegen der Vermögenssteuer.
DAC8, Travel Rule und Transparenz
Mit der Einführung von DAC8 und der Umsetzung der Travel Rule wird die regulatorische Transparenz im Kryptobereich deutlich erhöht.
Regulierte Anbieter innerhalb der EU sind verpflichtet:
- Kundendaten zu erfassen
- Transaktionen zu dokumentieren
- und unter bestimmten Umständen steuerrelevante Informationen an Behörden zu melden
Das bedeutet:
Eine regulierte Bitcoin Kreditkarte ist kein anonymes Zahlungsinstrument.
Wer Karten von Bitpanda, Coinbase, Crypto.com, Kraken, Nexo, Wave.card oder Bringin nutzt, bewegt sich im regulierten Umfeld. Identität und Transaktionen sind dokumentiert.
Anbieter wie 2Fiat werben mit KYC-freien Modellen. Hier ist jedoch Vorsicht geboten, da Issuer-Struktur und regulatorischer Rahmen weniger transparent sind.
- Weitere Infos zu DAC8
- Weitere infos zur Travel Rule
Visa oder Mastercard?
Für den Nutzer spielt das Netzwerk kaum eine Rolle. Beide Systeme sind weltweit akzeptiert.
Aktuelle Verteilung:
Visa:
- Bitpanda
- Coinbase
- Crypto.com
- Wave.card
- Bringin
Mastercard
- Nexo
- Kraken
- 2Fiat
Wichtiger als das Netzwerk ist der Issuer – also das regulierte Finanzinstitut als Herausgeber der Karte.
Übersicht der wichtigsten Bitcoin Kreditkarten
Bitpanda Card
Netzwerk: Visa
Issuer: Wird über einen regulierten E-Money-Partner im EWR ausgegeben (Bitpanda ist in Österreich reguliert; Issuer-Details je nach Land über Partnerbank)
Modell: Sell-on-Spend
Funktionsweise
Bitcoin oder andere Assets bleiben bis zur Zahlung im Konto.
Bei Bezahlung erfolgt automatische Konvertierung in EUR.
Gebühren
- Keine monatliche Gebühr
- Keine explizite Conversion-Fee beworben
- Spread im Wechselkurs enthalten
- FX-Gebühren bei Fremdwährung möglich
Cashback
- BEST Token Loyalty-Programm
- Cashback abhängig vom Level
Karte
- Virtuell: Ja
- Physisch: Ja
- Apple Pay / Google Pay: Ja
Coinbase Card
Netzwerk: Visa
Issuer: Wird über regulierten E-Money-Partner im EWR ausgegeben
Modell: Sell-on-Spend
Funktionsweise
Live-Verkauf von BTC oder gewähltem Asset bei Zahlung.
Gebühren
- Keine Jahresgebühr
- Conversion-Fee typischerweise um ~2 %
- Spread im Wechselkurs enthalten
- FX-Gebühren außerhalb EUR
Cashback
- Zeitweise 1–4 % in wechselnden Coins
- Nicht dauerhaft garantiert
Karte
- Virtuell: Ja
- Physisch: Ja
- Apple Pay / Google Pay: Ja


