Travel Rule
Welche Informationen müssen bei einer Bitcoin-Zahlung preisgegeben werden?
Die Travel Rule wirft bei vielen Bitcoin-Nutzern Fragen auf: Muss ich beim Bezahlen mit Bitcoin meine Identität preisgeben? Welche Rolle spielt meine Wallet-Wahl? Dieser Artikel klärt die Travel Rule verständlich und zeigt, wie du Zahlungen datenschutzfreundlich gestalten kannst.
Die sogenannte Travel Rule ist eine EU-Verordnung, die regelt, welche Informationen bei bestimmten Krypto-Transaktionen erhoben und weitergegeben werden müssen.
Viele Bitcoin-Nutzer fragen sich deshalb:
- Muss ich beim Bezahlen mit Bitcoin meine persönlichen Daten preisgeben?
- Ist Bitcoin-Zahlen überhaupt noch privat?
- Welche Rolle spielt meine Wallet – und die des Händlers?
In diesem Beitrag erklären wir verständlich und praxisnah, warum die Wahl einer Self-Custody Wallet entscheidend ist – für Zahler und für Händler, die Bitcoin akzeptieren möchten.
YouTube: Travel Rule – Darum ist Selbstverwahrung Wichtig!
Auf dem YouTube Kanal von Coincharge haben wir ein Video veröffentlicht mit dem Thema „Travel Rule – Darum ist Selbst-Verwahrung Wichtig!„
An wen richtet sich die Travel Rule wirklich?
Ein wichtiger Punkt gleich zu Beginn:
👉 Die Travel Rule richtet sich nicht an Bitcoin-Nutzer oder Händler, sondern an sogenannte Crypto Asset Service Provider (CASPs).
CASPs sind regulierte Krypto-Dienstleister, zum Beispiel:
- Bitcoin-Börsen und Broker
- Custodial Wallet-Anbieter
- Zahlungsdienstleister, die Bitcoin für ihre Kunden verwahren
- Anbieter, die Krypto in Euro tauschen oder umgekehrt
Diese Unternehmen unterliegen der EU-Regulierung (MiCA, AML, Travel Rule) und sind verpflichtet, Kundendaten zu erheben, zu prüfen und ggf. weiterzugeben.
👉 Die EU Travel Rule verpflichtet CASPs dazu:
- Originator- und Beneficiary-Daten zu erfassen
- diese vor oder während des Transfers auszutauschen
- und für AML/CFT-Zwecke verfügbar zu halten
Mögliche Daten, die CASPs erheben müssen:
- Vollständiger Name
- Adresse
- Geburtsdatum
- Wallet-Typ & -Adresse
- ggf. Kunden-/Transaktions-ID
- ggf. Legal Entity Identifier (LEI) für Firmen
Custody vs. Self-Custody – der entscheidende Unterschied
Ob bei einer Bitcoin-Zahlung Daten weitergegeben werden müssen, hängt nicht von Bitcoin selbst, sondern von der Verwahrform ab.
Custody (Fremdverwahrung)
- Deine Bitcoin werden von einem Dritten verwahrt
- z. B. bei einer Börse oder einem Zahlungsanbieter
- Der Anbieter ist CASP → regulatorisch verpflichtet
- KYC, Identitätsprüfung und Datenspeicherung sind Pflicht
Self-Custody (Selbstverwahrung)
- Du hältst selbst die privaten Schlüssel
- Self-Custody Hardware Wallet wie: BitBox, Ledger, Trezor
- Self-Custody Lightning Wallet App wie: Wallet of Satoshi, Breez, Zeus, Phoenix
- Kein Dritter verwahrt deine Bitcoin
- Kein CASP involviert
- Keine Weitergabe personenbezogener Daten erforderlich
👉 Self-Custody bedeutet: Kontrolle über Bitcoin und über deine Daten.
Beispiel: Vom Bitcoin-Kauf zur eigenen Wallet
Bitcoin Kauf mit Euro (Fiat)
Angenommen, du kaufst deine ersten Bitcoin bei einer Börse oder einem Broker:
- Du durchläufst einen vollständigen KYC-Prozess
- Deine Identitätsdaten liegen dort bereits vor
- Solange die Bitcoin dort liegen, handelt es sich um Custody

Von Börse zur Hardware Wallet
Überträgst du deine Bitcoin anschließend auf eine eigene Hardware Wallet, passiert Folgendes:
- Die Börse prüft, ob die Zieladresse:
- zu einem anderen CASP gehört oder
- eine Self-Custody Wallet ist
- Diese Prüfung erfolgt z. B. per:
- Signatur
- Satoshi-Test


👉 Wird eine Self-Custody Wallet bestätigt, müssen keine personenbezogenen Daten weitergegeben werden.
Von Hardware Wallet zur Lightning Wallet App
Möchtest du mit Bitcoin bezahlen, nutzt du meist eine Lightning Wallet auf dem Smartphone. Dazu überträgst du ein Teil von deinen Bitcoin von deiner Self-Custody Hardware Wallet an deine Self-Custody Lightning Wallet App.


Self-Custody Lightning Wallets auf deinem Smartphone sind z. B.:
👉 Überträgst du deine Bitcoin von deiner eigenen Self-Custody Hardware Wallet an deine eigene Self-Custody Lightning Wallet, werden keine personenbezogenen Daten weitergegeben.
Vom Bitcoin Kauf zur Lightning Zahlung
Der typische Ablauf ist:
Custodial Börse → Self-Custody Hardware Wallet → Self-Custody Lightning Wallet
Bitcoin Broker / Börse

Fremdverwahrung / Custody
Hardware Wallet

Selbstverwahrung / Self-Custody
Lightning Wallet App

Selbstverwahrung / Self-Custody
Bei allen Transfers zwischen selbstverwahrten Wallets gilt:
- kein Custodian
- kein Zahlungsdienstleister
- keine Datenerhebung
- keine Travel Rule
👉 Bitcoin-Zahlungen bleiben Peer-to-Peer.
Was passiert beim Bezahlen?
a) P2P-Zahlungen (privat)
Zahlungen zwischen Freunden oder Bekannten, die beide Self-Custody Wallets nutzen:
- keine Registrierung
- keine Datenerhebung
- volle Privatsphäre


Self-Custody
an
Self-Custody


👉 Wird von einer Self-Custody Wallet an eine andere Self-Custody Wallet gezahlt, müssen keine personenbezogenen Daten weitergegeben werden.
b) Bezahlen bei Händlern – der kritische Punkt
Hier kommt es entscheidend auf die Wallet des Händlers an.
In der Praxis nutzen Händler meist einen Zahlungsanbieter.
Dabei gibt es zwei grundlegend verschiedene Modelle:
Bitcoin Zahlungsanbieter
Als Händler kann man für die Bitcoin-Zahlungsabwicklung zwischen einem Custodial- oder einem Self-Custodial-Zahlungsdienstleister wählen.
Custodial Zahlungsanbieter
Verwendet ein Händler einen Custodial-Zahlungsanbieter, werden die eingenommenen Bitcoin auf der Bitcoin-Wallet des Zahlungsdienstleisters gutgeschrieben und verwahrt. Welche Daten der Zahlungsdienstleister erfassen muss, hängt davon ab, ob die Zahlung von:
- einer Self-Custody-Wallet oder
- von einer CASP-regulierten Firma wie einer
- Bitcoin-Börse, einem
- Bitcoin-Broker oder einer
- Custodial Bitcoin-Wallet kommt.
Zahlung von einer Self-Custody Wallet an einen Custodial Zahlungsanbieter
Der Zahler bezahlt von seiner Self-Custody-Hardware-Wallet bzw. Lightning-Wallet. Die Zahlung geht an einen Custodial-Zahlungsanbieter, der den Bitcoin-Betrag auf der von ihm kontrollierten Bitcoin-Wallet seines Merchants gutschreibt.
Self-Custody Wallet


Custodial Zahlungsanbieter

Custodial Bitcoin Wallet

Bei einer Zahlung von einer Self-Custody-Wallet erhält der Custodial-Zahlungsanbieter keinerlei Nutzerdaten von der Wallet. Je nach Auslegung der nationalen regulatorischen Vorgaben muss der Zahlungsanbieter jedoch Nutzerdaten erfragen. In der Regel werden ihm diese Daten aus den Bestelldaten vom Shopsystem übermittelt, jedoch nicht von der Wallet.
Werden diese Daten nicht vom Shopsystem erhoben, kann eine Abfrage durch den Zahlungsanbieter beim Zahler erfolgen.
Zahlung von einer Custodial Wallet an einen Custodial Zahlungsanbieter
Der Zahler bezahlt von einer Custodial Wallet über einen CASP, zum Beispiel eine Bitcoin-Börse oder einen Bitcoin-Broker, an einen Custodial-Zahlungsanbieter. Dieser schreibt den Bitcoin-Betrag auf der von ihm kontrollierten Bitcoin-Wallet gut.
Custodial Bitcoin Wallet

Bitcoin Börse / Broker

Custodial Zahlungsanbieter

Custodial Bitcoin Wallet

In diesem Fall überträgt ein CASP dem anderen CASP die folgenden Informationen direkt:
- Name
- Adresse
- Geburtsdatum
- In der EU gilt aktuell kein Betragsschwellenwert: jede Transaktion zwischen CASPs muss begleitet werden.
- In manchen Ländern gilt ein Schwellenwert (z. B. 1.000 € in anderen Rechtsräumen).
Self-Custodial Zahlungsanbieter
Der Transfer erfolgt direkt zwischen Zahler- und Händler-Wallet, analog zu einer P2P Zahlung.
Self-Custody Wallet


Self-Custody Wallet



Ein Self-Custody Zahlungsanbieter:
- verwahrt keine Bitcoin
- führt keine Transaktionen aus
- erhebt keine Zahlerdaten
Stattdessen agiert er als reiner Software-Anbieter:
- erstellt Zahlungsinvoices
- beobachtet Blockchain oder Lightning
- leitet Zahlungsstatus weiter
👉 Keine Travel Rule, kein KYC, keine Datensammlung.
Beispiele für Self-Custody Zahlungsanbieter:
- BTCPay Server
- Coinsnap
- Flash
- Zaprite
Warum Händler auf Self-Custody setzen sollten
Für Händler bietet das Self-Custody Modell klare Vorteile:
- Kein Kaufabbruch durch Registrierungsprozesse
- Schnellere Zahlungen
- Bessere Conversion
- Keine unnötige Speicherung von Kundendaten
- Klare Trennung zwischen Zahlung und Kundendaten
👉 Für die Auslieferung einer Bestellung reichen die Daten, die der Händler ohnehin benötigt.
Darüber hinausgehende Zahlerdaten müssen geschützt bleiben.
Fazit: Self-Custody ist Trumpf
Die Regulierung führt nicht zum Ende privater Bitcoin-Zahlungen, sondern zu einer klaren Trennung der Modelle.
Für Zahler:
- Bitcoin selbstverwahren
- Für Zahlungen Self-Custody Lightning Wallets nutzen
Für Händler:
- Self-Custody Zahlungsanbieter wählen
- Offene Peer-to-Peer-Zahlungen ermöglichen
Self-Custody ist Trumpf – bei der Verwahrung, beim Bezahlen und bei der Akzeptanz von Bitcoin.
Häufige Fragen zur Travel Rule & Bitcoin-Zahlungen (FAQ)
❓ Muss ich bei jeder Bitcoin-Zahlung meine persönlichen Daten angeben?
Nein.
Persönliche Daten müssen nur dann erhoben und weitergeleitet werden, wenn bei der Zahlung ein regulierter Krypto-Dienstleister (CASP) beteiligt ist, der Bitcoin für seine Kunden verwahrt oder Transfers ausführt.
Bei Zahlungen zwischen zwei selbstverwahrten (Self-Custody) Wallets werden keine personenbezogenen Daten weitergegeben.
❓ Gilt die Travel Rule auch für private Wallet-zu-Wallet Zahlungen?
Nein.
Die Travel Rule richtet sich ausschließlich an Crypto Asset Service Provider (CASPs) – nicht an private Nutzer.
Peer-to-Peer-Zahlungen zwischen Self-Custody Wallets (On-Chain oder Lightning) fallen nicht unter die Travel Rule.
❓ Was ist der Unterschied zwischen Custody und Self-Custody?
-
Custody (Fremdverwahrung):
Ein Anbieter verwahrt deine Bitcoin für dich → KYC & Travel Rule relevant. -
Self-Custody (Selbstverwahrung):
Du hältst selbst die privaten Schlüssel → keine Weitergabe von Daten erforderlich.
Die Verwahrform entscheidet darüber, ob Daten erhoben werden müssen.
❓ Warum verlangen manche Zahlungsanbieter eine Registrierung oder KYC beim Bezahlen?
Manche Zahlungsanbieter sind selbst custodial und regulatorisch verpflichtet, Zahler zu identifizieren und Zahlungen zu überwachen.
In diesen Fällen wird der Zahler zum Kunden des Zahlungsanbieters, und die Bitcoin-Zahlung findet innerhalb eines geschlossenen Systems statt.
❓ Welche Daten werden bei einer CASP-zu-CASP Zahlung weitergeleitet?
Bei einer Bitcoin-Transaktion zwischen zwei CASPs werden u. a. übermittelt:
Zum Zahler (Originator):
- Name
- Wallet- oder Konto-ID
- Adresse oder Geburtsdatum
Zum Empfänger (Beneficiary):
-
Name
-
Wallet- oder Konto-ID
Diese Daten werden off-chain zwischen den Dienstleistern übertragen, nicht über die Blockchain.
❓ Gibt es einen Mindestbetrag, ab dem die Travel Rule gilt?
In der EU: nein.
Die Travel Rule gilt unabhängig vom Betrag, sobald eine Transaktion zwischen zwei CASPs stattfindet.
❓ Was passiert, wenn ich Bitcoin von oder zu einer Self-Custody Wallet sende?
In diesem Fall gibt es keinen zweiten CASP, an den Daten weitergeleitet werden könnten.
Der sendende CASP kann jedoch prüfen, ob es sich tatsächlich um eine Self-Custody Wallet handelt (z. B. durch eine Signatur oder einen Satoshi-Test).
❓ Sind Lightning-Zahlungen ebenfalls von der Travel Rule betroffen?
Nur dann, wenn sie über einen custodial Anbieter laufen.
-
Self-Custody Lightning Wallets:
keine Datenerhebung, keine Travel Rule -
Custodial Lightning Wallets:
mögliche KYC- und Datenpflichten
Auch hier gilt: Wer die Schlüssel hält, kontrolliert die Daten.
❓ Ist Bitcoin durch die Travel Rule „nicht mehr anonym“?
Bitcoin war nie anonym, sondern pseudonym.
Die Travel Rule betrifft Dienstleister, nicht das Bitcoin-Protokoll.
Wer Bitcoin selbst verwahrt und Peer-to-Peer nutzt, kann weiterhin ohne Datenweitergabe bezahlen.
❓ Was bedeutet das für Händler, die Bitcoin akzeptieren möchten?
Händler sollten darauf achten, wie sie Bitcoin akzeptieren:
- Custodial Zahlungsanbieter → KYC-Pflicht für Zahler
- Self-Custody Zahlungsanbieter → offene Peer-to-Peer-Zahlungen
Die Wahl des Zahlungsanbieters entscheidet über:
- Datenschutz
- Zahlungsabbruch
- Nutzererlebnis
❓ Welche Zahlungsanbieter unterstützen Self-Custody?
Beispiele für Self-Custody Zahlungsanbieter sind:
- BTCPay Server
- Coinsnap
- Flash
- Zaprite
Diese Anbieter verwahren keine Bitcoin und führen keine Transfers aus.
🧩 Kurz gesagt
Die Travel Rule reguliert Dienstleister – nicht Bitcoin selbst.
Wer Self-Custody nutzt, behält die Kontrolle über Bitcoin und Daten.
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