Travel Rule
Welche Informationen müssen bei einer Bitcoin-Zahlung preisgegeben werden?
Die sogenannte Travel Rule ist eine EU-Verordnung, die regelt, welche Informationen bei bestimmten Krypto-Transaktionen erhoben und weitergegeben werden müssen.
Viele Bitcoin-Nutzer fragen sich deshalb:
- Muss ich beim Bezahlen mit Bitcoin meine persönlichen Daten preisgeben?
- Ist Bitcoin-Zahlen überhaupt noch privat?
- Welche Rolle spielt meine Wallet – und die des Händlers?
In diesem Beitrag erklären wir verständlich und praxisnah, warum die Wahl einer Self-Custody Wallet entscheidend ist – für Zahler und für Händler, die Bitcoin akzeptieren möchten.
An wen richtet sich die Travel Rule wirklich?
Ein wichtiger Punkt gleich zu Beginn:
👉 Die Travel Rule richtet sich nicht an Bitcoin-Nutzer oder Händler, sondern an sogenannte Crypto Asset Service Provider (CASPs).
CASPs sind regulierte Krypto-Dienstleister, zum Beispiel:
- Bitcoin-Börsen und Broker
- Custodial Wallet-Anbieter
- Zahlungsdienstleister, die Bitcoin für ihre Kunden verwahren
- Anbieter, die Krypto in Euro tauschen oder umgekehrt
Diese Unternehmen unterliegen der EU-Regulierung (MiCA, AML, Travel Rule) und sind verpflichtet, Kundendaten zu erheben, zu prüfen und ggf. weiterzugeben.
Custody vs. Self-Custody – der entscheidende Unterschied
Ob bei einer Bitcoin-Zahlung Daten weitergegeben werden müssen, hängt nicht von Bitcoin selbst, sondern von der Verwahrform ab.
Custody (Fremdverwahrung)
- Deine Bitcoin werden von einem Dritten verwahrt
- z. B. bei einer Börse oder einem Zahlungsanbieter
- Der Anbieter ist CASP → regulatorisch verpflichtet
- KYC, Identitätsprüfung und Datenspeicherung sind Pflicht
Self-Custody (Selbstverwahrung)
- Du hältst selbst die privaten Schlüssel
- Self-Custody Hardware Wallet wie: BitBox, Ledger, Trezor
- Self-Custody Lightning Wallets wie: Wallet of Satoshi, Breez, Zeus, Phoenix
- Kein Dritter verwahrt deine Bitcoin
- Kein CASP involviert
- Keine Weitergabe personenbezogener Daten erforderlich
👉 Self-Custody bedeutet: Kontrolle über Bitcoin und über deine Daten.
Beispiel: Vom Bitcoin-Kauf zur eigenen Wallet
Angenommen, du kaufst deine ersten Bitcoin bei einer Börse oder einem Broker:
- Du durchläufst einen vollständigen KYC-Prozess
- Deine Identitätsdaten liegen dort bereits vor
- Solange die Bitcoin dort liegen, handelt es sich um Custody
Überträgst du deine Bitcoin anschließend auf eine eigene Hardware Wallet, passiert Folgendes:
- Die Börse prüft, ob die Zieladresse:
- zu einem anderen CASP gehört oder
- eine Self-Custody Wallet ist
- Diese Prüfung erfolgt z. B. per:
- Signatur
- Satoshi-Test
👉 Wird eine Self-Custody Wallet bestätigt, müssen keine personenbezogenen Daten weitergegeben werden.
Lightning & Bezahlen – ebenfalls ohne Datenweitergabe
Möchtest du mit Bitcoin bezahlen, nutzt du meist eine Lightning Wallet auf dem Smartphone, z. B.:
Der typische Ablauf ist dann:
Custodial Börse → Self-Custody Hardware Wallet → Self-Custody Lightning Wallet
Bei allen Transfers zwischen selbstverwahrten Wallets gilt:
- kein Custodian
- kein Zahlungsdienstleister
- keine Datenerhebung
- keine Travel Rule
👉 Bitcoin-Zahlungen bleiben Peer-to-Peer.
Was passiert beim Bezahlen?
a) P2P-Zahlungen (privat)
Zahlungen zwischen Freunden oder Bekannten, die beide Self-Custody Wallets nutzen:
- keine Registrierung
- keine Datenerhebung
- volle Privatsphäre
b) Bezahlen bei Händlern – der kritische Punkt
Hier kommt es entscheidend auf die Wallet des Händlers an.
In der Praxis nutzen Händler meist einen Zahlungsanbieter.
Dabei gibt es zwei grundlegend verschiedene Modelle:
Custodial Zahlungsanbieter: geschlossene Netzwerke
Einige Zahlungsanbieter (z. B. Coinify) sind selbst CASPs und verwahren Bitcoin für den Händler.
In diesem Fall:
- Der Anbieter ist regulatorisch verpflichtet
- Der Zahler wird zum Kunden des Zahlungsanbieters
- Es werden u. a. abgefragt:
- Name
- Adresse
- Geburtsdatum
👉 Die Bitcoin-Zahlung findet dann nicht mehr Peer-to-Peer, sondern innerhalb eines geschlossenen Payment-Netzwerks statt.
Dieses Modell ist in den USA bereits weit verbreitet und ähnelt klassischen Zahlungsnetzwerken – nur mit Bitcoin als technischem Unterbau.
Solche Modelle führen dazu, dass Bitcoin-Zahlungen technisch zwar möglich bleiben, praktisch jedoch nur noch innerhalb geschlossener Systeme stattfinden.
Self-Custody Zahlungsanbieter: offenes Bitcoin-Payment
Es gibt jedoch auch europäische Anbieter, die bewusst non-custodial arbeiten.
Ein Self-Custody Zahlungsanbieter:
- verwahrt keine Bitcoin
- führt keine Transaktionen aus
- erhebt keine Zahlerdaten
Stattdessen agiert er als reiner Software-Anbieter:
- erstellt Zahlungsinvoices
- beobachtet Blockchain oder Lightning
- leitet Zahlungsstatus weiter
Der Transfer erfolgt direkt zwischen Zahler- und Händler-Wallet.
👉 Keine Travel Rule, kein KYC, keine Datensammlung.
Beispiele für Self-Custody Zahlungsanbieter:
- BTCPay Server
- Coinsnap
- Flash
- Zaprite
Warum Händler auf Self-Custody setzen sollten
Für Händler bietet dieses Modell klare Vorteile:
- Kein Kaufabbruch durch Registrierungsprozesse
- Schnellere Zahlungen
- Bessere Conversion
- Keine unnötige Speicherung von Kundendaten
- Klare Trennung zwischen Zahlung und Kundendaten
👉 Für die Auslieferung einer Bestellung reichen die Daten, die der Händler ohnehin benötigt.
Darüber hinausgehende Zahlerdaten müssen geschützt bleiben.
Fazit: Self-Custody ist Trumpf
Die Regulierung führt nicht zum Ende privater Bitcoin-Zahlungen, sondern zu einer klaren Trennung der Modelle.
Für Zahler:
- Bitcoin selbstverwahren
- Für Zahlungen Self-Custody Lightning Wallets nutzen
Für Händler:
- Self-Custody Zahlungsanbieter wählen
- Offene Peer-to-Peer-Zahlungen ermöglichen
Ob Bitcoin als offenes Zahlungssystem erhalten bleibt, entscheidet sich weniger an der Regulierung selbst als an der technischen Architektur der eingesetzten Zahlungsanbieter.
Self-Custody ist Trumpf – bei der Verwahrung, beim Bezahlen und bei der Akzeptanz von Bitcoin.
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